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Nachhaltigkeit

Wärme und Strom aus dem eigenen Keller, Häuser die bleiben, Boden der dem Markt entzogen ist: wie das Forum Nachhaltigkeit im Alltag organisiert.

Fassade des Neubaus von unten fotografiert, versetzte Balkone mit Holzbrüstungen vor hellem Himmel.

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Nachhaltigkeit ist im Forum keine Kampagne, sondern die Summe vieler Entscheidungen, die über fünfzig Jahre getroffen wurden. Es wird repariert statt abgerissen und der Boden ist dem Markt dauerhaft entzogen.

Das hält Menschen am Ort. Im Forum wachsen Kinder auf, deren Eltern hier schon Kinder waren, und die Gründungsgeneration wohnt weiter mittendrin, seit 2016 auch barrierefrei. Ein Gebäude, das alle zwanzig Jahre neue Bewohner:innen bekommt, weil die alten sich die Miete nicht mehr leisten können, ist kein nachhaltiges Gebäude, egal wie gut es gedämmt ist.

Der nachhaltigste Baustoff ist der, der schon verbaut ist. Die Häuser des Forums stehen seit 1900 beziehungsweise 1902, das Grundstück ist seit 1799 bebaut. Statt abzureißen wurde über Jahrzehnte saniert, oft in Eigenleistung. Seit 2016 läuft die energetische Sanierung des Altbestands, so weit Denkmal- und Milieuschutz es zulassen, denn die Eingangshalle der Köpenicker Straße 174 steht unter Denkmalschutz.

Der Neubau von 2016 schließt die letzte Lücke im Straßenzug, mit hohem Dämmstandard, eigener Wärmepumpe und Solarmodulen auf dem Dach.

Soziale Nachhaltigkeit

Der Teil, der sich am schlechtesten messen lässt, ist der wichtigste. Der Boden gehört dem gemeinnützigen Förderverein und ist über Erbbaurechte auf 99 Jahre vergeben. Niemand kann die Häuser verkaufen, weil es keinen Eigentümer gibt, der verkaufen dürfte. Die Nutzungsgebühren decken Kosten, sie erwirtschaften keine Rendite.

Essen aus der Nachbarschaft

Seit 2019 gibt es die Vorratskammer, den selbstorganisierten Bio-Laden im Erdgeschoss der Köpenicker 172. Rund 1.500 Produkte in Bio-Qualität, einmal pro Woche beliefert, offen auch für Nachbar:innen von außerhalb. Kurze Wege, wenig Verpackung, keine Autofahrt zum Supermarkt.

Wärme aus dem eigenen Keller

Angefangen hat es mit einer kleinen Photovoltaikanlage vor gut zwanzig Jahren. Daraus ist ein Energieversorgungsunternehmen im Miniaturformat geworden. Die Wärme kommt heute aus vier Blockheizkraftwerken, die gleichzeitig Strom erzeugen und deren Motorwärme ins Warmwasser geht, aus einer Hybrid-Wärmepumpe mit 40 Kilowatt, die sieben Erdwärmesonden in rund hundert Metern Tiefe anzapft, und aus einer Wärmepumpe, die der Abluft des Neubaus die Restwärme entzieht, bevor sie ins Freie geht.

Zwei Gaskessel stehen für die kalten Tage bereit, an denen der Rest nicht reicht. Mehrere Pufferspeicher entkoppeln Erzeugung und Verbrauch, damit die Anlagen laufen können, wenn es sich lohnt, und nicht nur dann, wenn gerade jemand duscht. Das Ziel ist, möglichst wenig Primärenergie einzukaufen.

Schema der Energieversorgung des Forum Kreuzberg mit Photovoltaik auf den Dächern, Blockheizkraftwerken, Wärmepumpen, Pufferspeichern und Erdwärmesonden
Die Energieversorgung auf einen Blick.

Strom vom eigenen Dach

Auf vier Dachflächen liegen Photovoltaikmodule mit zusammen 64,2 Kilowatt Spitzenleistung: 16,3 und 11,2 Kilowatt auf der Köpenicker 175, 21,2 auf der 174 und 15,5 über der 172, der 173 und der Eisenbahnstraße 23. Ein Batteriespeicher mit 48 Kilowattstunden schiebt den Sonnenstrom in die Abendstunden.

Der Strom wird nicht ins Netz verkauft und teuer zurückgekauft, sondern im Haus verbraucht. Die Gemeinschaft verkauft ihren Mitgliedern den Strom, den sie gemeinsam selbst produziert.

Wem die Anlage gehört

Das ist die vielleicht ungewöhnlichste Konstruktion des Forums. Die Energieanlagen gehören denen, die sie nutzen: 94 Gesellschafter:innen halten Anteile an der Energiegesellschaft, neben Förderverein und Genossenschaft fast alle Haushalte und Gewerbemieter:innen. Den technischen Betrieb führt die Forum Hauswirtschaft GmbH, fachlich begleitet von der ehrenamtlichen AG Energie. Wie das rechtlich zusammenhängt, steht unter Organisation und Rechtsträger.

Alles offen einsehbar

Was die Anlage gerade tut, kann jede und jeder nachschauen. Ein Monitoring-Tool zeigt in Echtzeit, wieviel Wärme die Blockheizkraftwerke liefern, was die Photovoltaik einspeist und welche Temperaturen in den Speichern stehen. Diese Transparenz ist kein Zufall. Eine Anlage, die der Gemeinschaft gehört, sollte die Gemeinschaft auch verstehen können.

Klaus-Novy-Preis 2022

Im Jubiläumsjahr erhielt das Forum den Klaus-Novy-Preis, den der Verein Wohnen in Genossenschaften 2022 erstmals unter dem Motto Klimaschutz und Beteiligung vergeben hat. 33 Genossenschaftsprojekte hatten sich beworben, über die Finalisten entschied genossenschaftlich das Publikum. Ausgezeichnet wurde das Forum für das Dorf in der Stadt, in dem Gewerbe, Kultur und Wohnen zusammen und klimafreundlich organisiert sind.

Klaus-Novy-Preis 2022: Laudatio
Klaus-Novy-Preis 2022: Laudatio

Wärme4 Blockheizkraftwerke, Hybrid-Wärmepumpe 40 kW, 7 Erdsonden à rund 100 m, Abluftwärmepumpe, 2 Gaskessel für Spitzenlast

StromPhotovoltaik auf vier Dachflächen, zusammen 64,2 kWp

SpeicherBatterie 48 kWh, mehrere Wärmepuffer

BetriebForum Hauswirtschaft GmbH, begleitet von der AG Energie

EigentumEnergiegesellschaft mit 94 Gesellschafter:innen

AuszeichnungKlaus-Novy-Preis 2022

BodenFörderverein, vergeben über Erbbaurechte auf 99 Jahre