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Vor dem Forum: 1799 bis 1971

Thorschreiberhaus, Ballsaal, Florida Bar und Niedergang: die Vorgeschichte der Köpenicker Straße 174.

Schwarzweißfoto: Blick durch begrünten Hof auf eine Person, die auf einer Treppe vor einer Tür sitzt.

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Bevor das Forum entstand, stand hier ein Ballsaal, davor nutzte eine Abteilung des Jugendamts die Räume, davor war eine Bar für amerikanische Soldaten darin, und ganz am Anfang ein königliches Steuerhaus. Die Adresse Köpenicker Straße 174 hat mehr Leben gesehen als die meisten Häuser in Kreuzberg.

1799 bis 1900: das Thorschreiberhaus

1799 wurde auf dem Gelände der Köpenicker Straße 173/174 das Königliche Thorschreiberhaus errichtet. Es hieß später Accise-Officiantenhaus, dann Königliches Thor-Officiantenhaus und von 1846 bis 1859 Königliches Steuergebäude. Vermutlich gehörte es zur Kontrolle des nahen Schlesischen Tors, das damals noch ein echtes Stadttor war. Ob die Umbenennungen mit Umbauten einhergingen, lässt sich nicht mehr klären. Ab 1879 stand hier möglicherweise das Hohenzollern, ein Restaurant mit Festsälen.

1900: der Köpenicker Hof

Der Eigentümer Jean Richard ließ das Grundstück zwischen 1900 und 1902 vom Maurer- und Zimmermeister Oscar Garbe neu bebauen. Es entstanden zwei Vorderhäuser mit Quergebäude und Seitenflügel, üppig stuckiert. Die Eingangshalle der Köpenicker Straße 174 steht bis heute unter Denkmalschutz, mit einem Sockel aus schwarzen Glasfliesen.

Im Erdgeschoss lag der Köpenicker Hof, ein Restaurant mit Tanzsaal, Kegelbahn im Keller und Chambres séparées im Zwischengeschoss. Das Haus zielte auf die gehobene Gesellschaft. Restaurant und Ballsaal bekamen Kassettendecken aus Stuck und Holzvertäfelung, in den Quergebäuden entstand ein Offizierskasino für die nahen Kasernen.

1923 übernahm Karl Krause den Betrieb, zunächst Kellner im Haus, später dessen Besitzer. Sein Bauantrag für eine Garage von 1926 ist überliefert, samt Begründung, er betreibe „wohl das bedeutendste Saalgeschäft in der hiesigen Stadtgegend“. Der Antrag scheiterte am Brandschutz, die Garage entstand später im ersten Hof. Sie beherbergte unter anderem den ersten Zwölfzylinder-Mercedes Berlins, Krauses ganzen Stolz.

1933 bis 1945: die Jahre unter dem Hakenkreuz

Die Akten dokumentieren die Gleichschaltung im Kleinen. Ein Gutachten zur Notbeleuchtung im Festsaal war im Januar 1936 noch „mit Deutschem Gruß“ unterzeichnet, wenige Monate später nur noch mit „Heil Hitler“. 1937 zog die NSDAP-Ortsgruppe Mariannenplatz in die Köpenicker Straße 174 ein, im Köpenicker Hof feierten Goebbels und andere Funktionäre. Die Kriegsschäden am Haus blieben überschaubar.

Zur selben Zeit wurde die jüdische Familie Lesser aus dem Haus vertrieben. An sie erinnern seit 2019 drei Stolpersteine vor der Köpenicker Straße 174.

1946 bis 1961: Florida Bar, Jugendamt, Ballhaus

Gleich nach Kriegsende richtete die Jüdische Gemeinde zu Berlin ihr Bezirksbüro für kurze Zeit in der Köpenicker Straße 174 ein. In den alten Gaststättenräumen betrieb Ernst Wolff, ein Jude, der das NS-Regime in Berlin überlebt hatte, die Florida Bar für amerikanische Soldaten. Das Vergnügungslokal fand kein Publikum, die Festräume wurden vermietet. Hier fanden fast alle Familienfeste der wenigen nach Berlin zurückgekehrten oder dort gebliebenen Jüdinnen und Juden statt, Hochzeiten und Bar Mizwas.

Danach nutzte eine Abteilung des Jugendamts Räume im Haus, darunter den Ballsaal und mehrere Etagen. Ab 1954 liefen dort Schmalfilmvorführungen, der Ballsaal wurde bestuhlt, die alte Garage zu Toiletten umgebaut. 1959 beantragte Else Behrens eine Tanzgaststätte und brachte den Saal zurück zu seiner ursprünglichen Bestimmung.

1961 bis 1971: am Ende der Welt

Am 13. August 1961 begann der Bau der Mauer. Die Köpenicker Straße war plötzlich geteilt und lag am Ende der Welt. Kinos, Restaurants und Bars verloren ihr Publikum, das Ballhaus Behrens musste wenige Jahre nach der Eröffnung wieder schließen.

Was folgte, war der Niedergang einer einst noblen Adresse. Karl Krause, inzwischen fast neunzig, hatte Frau und Sohn überlebt und die Geschäfte dem Hauswart überlassen. Verkauft wurde, was sich zu Geld machen ließ: Klingelbretter, Kronleuchter, Tische, die Holzvertäfelung aus Restaurant und Ballsaal. Übrig blieben die Stühle. Das Restaurant wurde Lager für Pornohefte, der Ballsaal Möbellager. 1971 bot Krause das Haus zum Verkauf an.

Ein Jahr später kaufte es Michael Wilhelmi. Wie es weiterging, steht unter Gründung und Aufbau.