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Mauerfall und Neuordnung: 1990 bis 2002

Aus der Randlage in die Stadtmitte, aus einem Verein werden drei, und ein Restaurant wird zum Ziel von Anschlägen.

Zwei Mädchen sitzen im Hof und schauen aufmerksam zur Seite.

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Der Mauerfall veränderte die Lage des Forums über Nacht, ohne dass sich ein Stein bewegte. Aus einer Straße, die vom Nirgendwo ins Nirgendwo führte, wurde wieder eine Verkehrsader mitten in der Stadt. Der jährliche Tag der offenen Tür verzeichnete 1990 einen Besucherrekord, plötzlich schauten Menschen aus Ost und West auf das, was hier unter Frontstadtbedingungen entstanden war.

Das Ende der Pionierphase

Zugleich war eine Zeit zu Ende. Neue Projekte entstanden kaum noch, die bestehenden wurden weiterentwickelt. Viele Gründerinnen und Gründer hatten sich anderen Aufgaben zugewandt. Michael Wilhelmi baute mit anderen, auch mit Eltern aus dem Forum, die Freie Waldorfschule Kreuzberg auf und unterrichtete dort lange, wohnte aber weiter im Haus. Die meisten Mitarbeitenden waren inzwischen Angestellte und wohnten außerhalb.

1990 bis 1993: aus einem Verein werden drei

Auf diese Entwicklung antwortete das Forum mit einer Umstrukturierung. Der Förderverein wurde Eigentümer der Immobilien und verpachtete sie an eine neu gegründete Mietergenossenschaft. Aus den Pachteinnahmen unterstützte er den Projekteverein, der alle Initiativen trug. Einige soziale Projekte bekamen öffentliche Zuschüsse, andere konnten nur bestehen, weil der Förderverein sie mitfinanzierte. Bis 1993 kamen eine zentrale Buchhaltung und eine Gehaltsordnung dazu.

Diese Dreiteilung trägt bis heute, in weiterentwickelter Form. Wie der Verbund inzwischen aufgebaut ist, steht unter Organisation und Rechtsträger.

1993: acht Millionen für die Köpenicker 175

Ein bereits 1990 gestellter Förderantrag, lange von der Sanierungsgesellschaft STERN vorbereitet, wurde Ende 1992 überraschend bewilligt. Die Architekt:innen Gisela Leisse und Axel Volkmann mussten Bauantrag und Ausschreibung im Eilverfahren erstellen. Die Finanzierung von acht Millionen DM kam mit Hilfe der GLS Bank und breiter Beteiligung im Verein zustande. Baubeginn war im Februar 1993, fertig wurde es 1994.

Im selben Jahr eröffnete Angelika Dahmen ihre Arztpraxis im Hinterhaus der Eisenbahnstraße 21, und der erste Kindergarten zog ins Vorderhaus der Köpenicker Straße 175. 1994 kam das Lehrer- und Erzieherseminar für Waldorfpädagogik ins Fabrikgebäude.

Das Restaurant und die Anschläge

1990 hatte Richard Auweiler in den Räumen des früheren Midgard das Auerbach eröffnet, ein Lokal, das Publikum aus wohlhabenderen Bezirken anzog. 1994 wurde es mehrfach angegriffen. Erst flogen Kübel mit Kot und toten Tauben ins Lokal, dann wurde für hohe Summen gespeist und nicht bezahlt, schließlich explodierte nachts im leeren Restaurant eine Handgranate. Eine Gruppe namens „Klasse gegen Kasse“ bekannte sich dazu und verstand ihre Anschläge als Kampf gegen den Ausverkauf Kreuzbergs.

Das Auerbach erholte sich davon nicht. Es folgten die Muse mit anatolischer Küche, im Haus scherzhaft das Wohnzimmer des Forums genannt, und ab 1999 das Pottenstein, das nach einem Jahr aufgab. 2002 zog das Gasthaus Babel ein, und erstmals seit Jahren sah es so aus, als könne sich in den alten Räumen des Köpenicker Hofs ein Restaurant halten.

Stand 2002

Dreißig Jahre nach dem Kauf gaben die Häuser über 120 Menschen ein Zuhause, in 57 Wohnungen. In 37 Gewerbeeinheiten arbeiteten 80 bis 90 Menschen: Künstler:innen, Schauspieler:innen, Tischler, Schlosser, Pädagog:innen. Alle Häuser waren saniert, die Höfe begrünt, die Projekte etabliert. 2001 hatte das Lehrer- und Erzieherseminar das Forum verlassen, in seine Räume zog wieder eine Ateliergemeinschaft mit Maler:innen und Papierrestauratorinnen.

Was seither geschah, steht unter Neubau und Modernisierung.