Seit 1972 gehören im Forum Kreuzberg Wohnen, Arbeiten und Kultur zusammen: sechs Häuser, rund 190 Menschen, dazu Werkstätten, Ateliers, ein Theater und eine Kita. Die Häuser gehören der Gemeinschaft, verwaltet wird selbst. Was hier entsteht, folgt seit über fünfzig Jahren demselben Muster: Ein Bedürfnis taucht auf, Menschen finden sich zusammen, ein Projekt entsteht. So kamen die Kindergärten, so kam der Neubau mit Fahrstuhl, als die Gründungsgeneration älter wurde, so kam 2019 die Vorratskammer, der eigene kleine Bioladen im Haus.
Auf den folgenden Seiten erzählen wir, wie das alles zusammenhängt: die Geschichte seit der Gründung, die Häuser und Höfe, die Organisation mit ihren sieben Rechtsträgern und die Arbeitsgruppen, in denen die Alltagsarbeit passiert. Wer es lieber vor Ort mag: Wir bieten Führungen zu Architektur und gemeinschaftlichem Wohnen an.

Was das Forum Kreuzberg von anderen Wohnprojekten unterscheidet, ist das gelebte Miteinander. Rund 190 Menschen teilen sich nicht nur Häuser und Höfe, sondern auch Verantwortung, gestalten ihren Kiez aktiv mit und halten zusammen, wenn es darauf ankommt.
Das Gemeinschaftsleben organisiert sich über Arbeitsgruppen, die sich um alles kümmern: von Gartenpflege bis Energieversorgung, von Wohnungsvergabe bis Gemeinschaftsraum. Wer mitmachen will, findet schnell Anschluss. Dazu kommen Hoffeste, Nachbarschaftsabende, politische Diskussionen und gemeinsame Projekte. Das Forum versteht sich als Teil des Kiezes – nicht als abgeschlossene Enklave.
Drei Menschen erzählen, was das Leben und Arbeiten hier für sie ausmacht. Die Filme entstanden 2019.
Jorinde
Jorinde über das Aufwachsen im Forum (2009)
Jürgen
Jürgen über die frühen Jahre und die Werkstätten (2009)
Konradin
Konradin über Gemeinschaft und Alltag (2009)
Das Forum Kreuzberg ist eine Wohngenossenschaft in Berlin-Kreuzberg, ein paar Schritte von der Spree entfernt. In sechs Häusern rund um die Köpenicker Straße und die Eisenbahnstraße leben etwa 150 Erwachsene und 40 Kinder. Dazu kommen 36 Gewerbeeinheiten: Werkstätten, Ateliers, ein Theater, eine Kita, eine Arztpraxis, ein kleiner Mitgliederladen.
1972 kauften der Lehrer Michael Wilhelmi und Mitstreiter:innen aus der 68er-Bewegung ein Doppelhaus mit Fabrikgebäude im damaligen Grenzgebiet, mit Blick auf die Mauer. Ihre Idee war, selbstbestimmt zu wohnen, zu lernen und zu arbeiten, alles an einem Ort. Daraus ist ein Block geworden, in dem heute die dritte Generation aufwächst.
Geblieben ist der Anspruch, die Häuser selbst zu verwalten und den Wohnraum dauerhaft dem Markt zu entziehen. Die Grundstücke gehören dem gemeinnützigen Förderverein, die Genossenschaft vermietet die Wohnungen an ihre Mitglieder. Niemand kann sie verkaufen, niemand kann mit ihnen spekulieren.
Woran wir uns orientieren
Die Gründungsimpulse kamen aus der Anthroposophie Rudolf Steiners, besonders aus seiner Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus: Freiheit im Kulturleben, Gleichheit im Rechtsleben, Solidarität im Wirtschaften. Aus dieser Quelle sind über die Jahre viele Einrichtungen des Hauses entstanden, vom Orientierungsjahr und der Freien Volkshochschule über das anthroposophisch-künstlerische Einführungsjahr und den Waldorfkindergarten bis zum Lehrer- und Erzieherseminar. Man muss keine Anthroposophin sein, um hier zu wohnen. Aber drei Prinzipien aus dieser Tradition prägen den Alltag bis heute, sie stehen so auch in der Satzung: Selbsthilfe, Selbstverwaltung, Selbstverantwortung.
Praktisch heißt das: Die Mitglieder sind zugleich Mieter:innen und Vermieter:innen. Entscheidungen fallen in der Mitgliederversammlung, die Alltagsarbeit verteilt sich auf rund 18 Arbeitsgruppen, von der Hofpflege bis zur Energieversorgung. Etwa 70 Prozent der gemeinschaftlichen Aufgaben erledigt das Forum in Eigenregie, pro Mitglied sind das zwei bis drei Stunden im Monat.
Gegründet1972, als Genossenschaft seit 1993
Menschenca. 150 Erwachsene und 40 Kinder
Häuser6 Häuser, rund 10.000 m² Nutzfläche
Wohnen88 Wohnungen (ca. 6.763 m²)
Arbeiten36 Gewerbeeinheiten (ca. 3.337 m²)
Selbstverwaltungca. 18 Arbeitsgruppen, 2–3 Std./Monat pro Mitglied
Ein Dorf in der Stadt
Die Menschen hier kennen sich. Kinder wechseln zwischen den Höfen, ältere Bewohner:innen bleiben Teil des Alltags, statt aus ihm zu verschwinden. Das Forum versteht sich als Antwort auf eine Stadt, in der Nachbarschaft oft Zufall ist und Einsamkeit wächst. Eine Idylle ist es nicht. Wo 190 Menschen gemeinsam entscheiden, gibt es Reibung, lange Sitzungen und gelegentlich Streit. Auch das gehört zur Selbstverwaltung.









